TIM MARKLOWSKI
Tim Marklowski steht für den Bergsport, der Verantwortung übernimmt. Er reist mit dem Zug an, lehnt Heliskiing ab und lebt Nachhaltigkeit nicht als Trend, sondern als Entscheidung – Tag für Tag. Flugreisen? Für ihn seit über 14 Jahren kein Thema. Auto? Hat er keines.
Wer mit ihm unterwegs ist, merkt schnell: Es geht nicht nur um das Erreichen des Gipfels, sondern um den Weg dahin und wie man ihn geht. Ein Portrait über gelebte Konsequenz, stille Überzeugung und die Frage, wie man die Natur schützen kann, ohne sie zu meiden.
Vor dem Alpinen Museum in Bern parkt ein Fahrrad. Kein Hightech-Modell, sondern ein praktisches, robustes Stadtfahrrad mit Gebrauchsspuren. Es gehört Tim Maklowski, der mit offenem Lächeln, wettergegerbtem Gesicht auf mich zuschreitet.
Wir treffen uns an diesem Frühlingstag im Rahmen der Ausstellung „Repair“. Einer Sammlung von Leihobjekten aus den Bergen, die Risse, geflickte Nähte und Geschichten mit sich bringen. Ein abgewetzter Rucksack, ein geflickter Schlafsack, eine Jacke mit Klebestellen: Zeugen einer Haltung, die reparieren statt wegwerfen sagt.
Wir schlendern durch die Ausstellung, vorbei an zerschlissenen Jacken, ausgebesserten Steigeisen und vernarbten Seilen. Plötzlich bleibt Tim stehen. Sein Blick fällt auf eine grosse, abgewetzte Reisetasche. „Wie seid ihr denn zu diesem Stück von Luisa gekommen?“, murmelt er, eher zu sich selbst als zu Rebecca, der Ausstellungsleiterin.
Man merkt sofort: Er erkennt den Duffelbag nicht nur, er kennt seine Geschichte. Die Tasche gehört Luisa, einer ehemaligen Arbeitskollegin und Tim weiss genau, was sie mit ihr verbindet – die Touren, die Spuren, das, was sie darin getragen hat.
Rebecca tritt hinzu und lächelt: „Ja, das war ein Kompromiss. Wir mussten den Bag besonders gut sichern und nach der Ausstellung geht er natürlich zurück. Als Ersatz hat Luisa vorübergehend einen Neuen bekommen.“
In Tims Augen sind Ausrüstungsstücke keine Gegenstände, sondern gelebte Geschichten. Auch er ist Teil dieser Geschichten. Als Projektleiter bei Mountain Wilderness war er an vorderster Front mit dabei: Proteste gegen Heliskiing, Aktionen für werbefreie Gipfel, Diskussionen über alpine Freiräume. Heute ist er leiser geworden, seine Meinung ist aber noch immer gleich präsent. „Ich bin immer noch dabei, nur nicht mehr ständig auf Demos.“ Stattdessen setzt er Zeichen im Alltag. Ohne Auto und ohne Flugreisen, dafür mit Überzeugung
Ein Projekt, das er mitentwickelt hat, ist der Alpin-Flohmi, ein Secondhand-Markt für Bergsportausrüstung. „Das nachhaltigste Teil ist das, was nicht neu produziert werden muss“, sagt Tim. „Es geht nicht nur ums Ökologische. Es geht auch darum, dass nicht nur Leute mit viel Geld in die Berge können.“ Die Flohmärkte sind für ihn mehr als Märkte, es sind Treffpunkte, Orte der Begegnung.
Heute arbeitet Tim mit seiner eigenen Firma lines mountain guiding und für bergpunkt. Beide bieten keine Flugreisen an. Eine bewusste Entscheidung. „Ich will mich identifizieren können mit meinem Arbeitgeber.“ Für Tim ist klar: Natur darf kein Ort der Vermarktung werden, sondern ein Raum der Freiheit. Gleichermassen für Mensch und Tier. Wenn irgendwo ein neues Skigebiet oder ein weiterer Gebirgslandeplatz geplant werden würde, sagt er, „gegen das würde ich wieder an Demos gehen, dann wäre ich wieder vorne mit dabei.“
Radikal sei er nicht, meint er. Aber konsequent. Ein Mensch, der inspiriert, weil er überzeugt und gleichzeitig offen ist. Wer mit ihm spricht, merkt schnell: Tim ist jemand, der nicht predigt, sondern einlädt. Sein Weg zeigt, dass weniger oft genug ist und manchmal sogar mehr.
Quellenverweis:
Text, Bild / Illustration, Audio: Renée Benz